Mit unseren 10 Tipps zu deinem neuen (gebrauchten) Rennrad! – Teil 3

Tipps 6 und 7

Nach dem Lesen der ersten beiden Teile unserer Serie weißt du nun alles, was du über Rahmengrößen, Verkaufsplattformen (1.Teil) und die richtige Wahl der Komponenten (2.Teil) vor einem Gebrauchtradkauf wissen musst.

Welches Rahmenmaterial wofür geeignet ist und wie ein Schnellcheck aussehen sollte, das erfährst du in diesem Teil der Serie:


#6 – Stahl, Aluminium oder Carbon?

Welches Rahmenmaterial darf’s denn sein?
Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Hier werden nochmal kurz die Vor- und Nachteile der jeweiligen Rahmenmaterialien aufgezählt:

Stahl

  • Höheres Gewicht
  • Leicht zu reparieren (wichtig bei längeren Fahrradreisen)
  • Retro-Look
  • Hohe Festigkeit und Elastizität (dünnere und längere Rohre möglich)
  • Komfortabel
  • Bei hoher Stahlgüte sehr teuer
  • Kann bei kleineren Schäden weiterverwendet werden

Aluminium

  • Mittleres Gewicht
  • Bei längeren Touren (>150km) etwas unkomfortabel
  • Dicke Rohrdurchmesser
  • Durch Massenfertigung sehr günstig
  • Oft in Kombination mit Carbon-Gabel (=mehr Komfort am Vorderrad, aber immer noch sehr hart am Rückrad)
  • Abhängig von der Aluminium-Legierung können Alu-Rahmen geschweißt werden (aber: relativ teuer)
  • Kann bei kleineren Schäden weiterverwendet werden

Carbon

  • Leichtes Gewicht
  • Teuer
  • Mittelmäßig Komfortabel
  • Sehr steif (d.h. es geht keine Energie in Verwindungsarbeit verloren, sondern wird direkt in Vortrieb umgesetzt)
  • Ästhetische und extravagante Rahmengeometrien möglich (+ frei von Schweißnähten)
  • Keine Verformungsreserven (im Gegensatz zu anderen metallischen Materialien ist ein Sprödbruch möglich)
  • Optische Kontrolle auf Haarrisse beim Gebrauchtradkauf kaum möglich (d.h. man ist auf die Ehrlichkeit des Verkäufers in Bezug auf Unfälle etc. angewiesen)

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Abschließend gilt zu sagen, dass wohl überwiegend Aluminium-Rennräder mit Carbon-Gabeln auf dem Gebrauchtwarenmarkt zu finden sind. Für die meisten Einsteiger in den Rennradsport ist das sicherlich die beste und kostengünstigste Variante (=persönliche Meinung).


#7 – Die Zustandsanalyse

Die besten Komponenten sind wertlos, wenn sie bereits komplett verschlissen sind. Sieh dir deshalb das Rad immer VOR dem Kauf gründlich an! Nachträgliche Reklamationen sind beim Gebrauchtradkauf kaum möglich. Als Einsteiger in den Radsport ist man mit dem ersten Schnellcheck schnell überfordert. Deshalb haben wir hier einige Fixpunkte eines jeden Schnellchecks für dich zusammengefasst:

Welchen Gesamteindruck macht das Rad auf dich?
Sind Rost, Lackschäden oder gar Dellen vorhanden? Dann solltest du das Fahrrad nochmal genauer unter die Lupe nehmen!
Rost deutet darauf hin, dass das Rad längere Zeit im witterungsungeschützten Bereich stand und in letzter Zeit nicht verwendet wurde. Die Reparaturkosten von verrosteten Komponenten sind oft nur sehr schwer abzuschätzen, überlege dir den Radkauf daher lieber zweimal. (Im 4.Teil unserer Serie erfährst du, welche Folgekosten beim Tausch einzelner Komponenten entstehen können)
Dellen und Lackschäden gehen oft einher. Wichtig ist, woher sie kommen. Ist das Rad einmal unglücklich umgefallen oder resultiert der Blechschaden aus einem Unfall? Grundlegend gilt: von stark verformten Rahmenrohren unbedingt die Finger lassen und den Hausverstand verwenden!
Aber: Nicht jede Delle muss gleich zum Abbruch des Verkaufgesprächs führen. Mein (Alu-)Rad wurde ebenfalls mit einer Delle gekauft. Diese Delle hat aber, abgesehen vom optischen Mangel, keinen Einfluss auf die Sicherheit des Rades. Ein Riss im Carbon ist hingegen ein Totalschaden!

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In welchem Zustand befinden sich Kurbel, Tretlager, Kette und Kassette?
Um das herauszufinden musst du unbedingt eine Probefahrt machen. Funktioniert die Schaltung knackig oder müssen die Züge ausgetauscht/Schaltung neu eingestellt werden? Sind die Zähne auf den Kettenblättern noch intakt oder sind bereits einige Stücke herausgebrochen? Wackelt etwas im Bereich des Tretlagers oder der Pedale? Funktionieren die Schalthebel?
Wichtig: abgebrochene Schalthebel bedeuten noch nicht, dass sie unbedingt ausgetauscht werden müssen. Frage trotzdem wie es dazu kam (Stichwort: Unfall!?). Weiters solltest du beachten, dass der Austausch einer verschlissenen Dura-Ace Kassette wesentlich mehr kostet als der Tausch einer 105er Kassette. Teure Komponenten müssen deshalb nicht immer von Vorteil sein.

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Ich persönlich würde lieber zu einer günstigen, aber dafür intakten Schaltgruppe greifen, als eine teure, aber dafür komplett abgenutzte Schaltgruppe zu benutzen (=persönliche Meinung).

Funktionieren die Bremsen ohne Probleme?
Beißen die Bremsen ordentlich zu, oder funktioniert die Bremsanlage eher schwammig? Dann gilt es herauszufinden, woran das liegen kann. Sind die Indikatoren auf den Bremsbelägen noch sichtbar oder bereits abgeschliffen? Überprüfe auch den Abstand von der Bremse zur Felge (ca. 1.5-2.0 mm). Sind die Bremsenklötze zu tief montiert oder die Bremszüge beschädigt? Oder muss man vielleicht einfach nur das Bremsseil mit der Einstellschraube vorspannen? Vielleicht sind aber auch einfach die Felgen schuld:

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Wie läufts bei den Laufrädern?
Haben die Laufräder Dellen, verbogene Speichen oder laufen unrund? Eine Unwucht in den Felgen erkennst du am besten, wenn du ein Rad anhebst, zeitgleich die Bremse leicht anziehst (sie darf die Felge nicht blockieren), und dann versuchst die Felge rotieren zu lassen. Dabei sollte sie die Bremsklötze nicht berühren. Wenn du das Laufrad schon so genau unter die Lupe nimmst, vergiss nicht auf folgendes zu achten:

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Qualität und Verschleiß der Reifen?
Sind die Mäntel bereits porös oder rissig? Dann müssen sie bei nächster Gelegenheit getauscht werden. Ist noch Profil vorhanden, kannst du sie vielleicht noch eine bis zwei Saisonen nutzen.

Carbon ist mit Vorsicht zu genießen!
Wie oben bereits erwähnt, sind Carbonkomponenten mit Vorsicht zu genießen. Sie bedürfen einer besonders gründlichen Inspektion. Leider sind feinste Haarrisse oft nicht mit bloßem Auge ersichtlich. Hier bleibt nur, auf die Aussagen des Verkäufers zu vertrauen.
Wichtig: Viele Alu-Rennräder sind mit Carbongabeln ausgestattet. Nimm dir deshalb Zeit und inspiziere die Gabel ganz genau. Wackelt die Gabel, kann das an einem fehlenden Spacer liegen. Bei einem Riss oder einer beschädigten Stelle würde ich die Carbongabel auf alle Fälle tauschen.

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Die Abstandhalter (hier: 4 Stück) unter dem Vorbau werden Spacer genannt.

Tipp für das Verkaufsgespräch: Sollte der Verkäufer die gefundenen Mängel nicht bereits im Vorhinein bekanntgegeben haben, kannst du mit jedem Mangel den Preis weiter drücken. Bei schweren Mängeln (verursacht durch Unfälle o.ä.) solltest du besser die Finger von dem Fahrrad lassen. Es wartet sicher noch irgendwo ein unfallfreies Rad auf dich 😉


Tipps 8-10

Im letzten Teil der Serie dreht sich alles um den Preis! Wieviel darf ein Fahrrad maximal kosten? Welche Folgekosten können dich erwarten? All das erfährst du im 4.Teil!

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4


© Lukas

3 Kommentare zu „Mit unseren 10 Tipps zu deinem neuen (gebrauchten) Rennrad! – Teil 3

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