Scott Speedster Gravel 30 – Test

Okay, ich gebe es zu: Der Titel ist irreführend. Bei diesem Beitrag handelt es sich nämlich um keinen Test im herkömmlichen Sinn. Aufmerksame Leser:innen wissen, dass bereits ein Testbericht zum Scott Speedster Gravel 20 erschienen ist – und können ihn hier einsehen. Ein Äquivalent wäre demnach überflüssig, weshalb ich in diesem Artikel auf wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Modellen eingehen möchte. Dies betrifft einerseits die Komponenten, andererseits den Unterschied zwischen zwei Größen: Small und Medium.



Fahrdynamik: Seit zwei Monaten bin ich Besitzer eines aktuellen (Baujahr: 2022) Scott Speedster Gravel 20 in Größe M. Ein Monat später gesellte sich der „kleine Bruder“ dazu, nämlich das Scott Speedster Gravel 30 – nun in Größe S. Zu beiden Modellen lassen sich kaum Erfahrungsberichte im Internet finden. Meine Beiträge sollen diese Lücke in Ansätzen schließen.

Nachdem sich beide Modelle in ihrer grundsätzlichen Geometrie gleichen, möchte ich über das Thema Fahrdynamik nicht allzu viele Worte verlieren. Die Stärken und Schwächen findet ihr im vorangegangenen Testbericht zum Scott Speedster Gravel 20. Im Verlauf dieses Beitrags soll das Fahrverhalten lediglich in Bezug auf den Größenunterschied betrachtet werden – dazu aber später mehr.



GRX 400 vs. GRX 600: Den wesentlichsten Unterschied der beiden Modelle stellt vermutlich die verbaute Brems- und Schaltgruppe dar. Während das Scott Speedster Gravel 30 mit einer GRX 400 ausgestattet ist, läuft das Scott Speedster Gravel 20 mit einer GRX 600 vom Band. Entgegen der Herstellerangabe (Praxis Alba-Kurbel mit 48/32 Zähnen) wurden beide Modelle mit einer GRX-Kurbel ausgestattet (jeweils 46/30 Zähne). Kassette und Schalthebel unterscheiden sich insofern, als dass am getesteten Rad nur 2×10 Gänge zur Verfügung stehen. Wiegt dieser Umstand schwer?



Nein, tut er nicht. Im direkten Vergleich fällt zwar das knackigere Schaltverhalten der GRX 600/800 auf, dennoch macht sich die GRX 400 nie negativ bemerkbar. Sie schaltet deutlich effizienter als meine Ultegra-Schaltung von vor 10 Jahren – und bis dato lieferte auch diese Schaltgruppe keinen Grund zum Klagen. Generell würde ich vielleicht so weit gehen, dass ich persönlich die GRX 400 fast angenehmer empfinde.



Entgegen meiner Befürchtungen muss ich nämlich feststellen, dass mir die Abstufung der GRX 400 momentan mehr Freude bereitet. Variierender Trainingszustand und Untergrund beeinflussen diese Tatsache natürlich deutlich, dennoch ertappe ich mich regelmäßig, wie ich auf der GRX 600/800 zwischen den Gängen hin- und herwechsle – auf der Suche nach dem einen Zwischengang. Dieser Umstand lässt sich natürlich leicht ändern (Kassettentausch oder einfach mehr Training), soll jedoch nicht unerwähnt bleiben. Ähnlich wie der nächste bedeutsame Unterschied…



Geschraubt vs. Gepresst: Die Sprache ist vom Tretlager. Interessanterweise kommen die unterschiedlichen Modelle der Speedster Gravel Serie nämlich nicht mit identen Tretlagern daher. Während beim billigsten Modell ein geschraubtes Tretlager verbaut wird, setzen alle anderen Modelle auf ein Pressfit-Lager. Vor- und Nachteile dieser Lagervarianten wurden in unzähligen Foren bereits heiß diskutiert. Ich persönlich hätte mich über ein geschraubtes Lager an allen Modellen gefreut – lasse mich aber gerne positiv vom Scott Speedster Gravel 20 überraschen.



Reifen: Ein weiterer Unterschied konnte an den Laufrädern detektiert werden: die Mantelwahl. Während am Scott Speedster Gravel 20 noch Schwalbes G-One Bite Performance TLE (=Tubeless Ready) in 45mm Breite verbaut werden, muss sich das Scott Speedster Gravel 30 mit „regulären“ Schwalbe G-One Bite Performance (=Tubes Only) zufriedengeben. Ein Umbau auf Tubeless erfordert daher nicht nur ein Dichtband, Dichtmilch und Ventil – sondern eben auch einen neuen Mantel. Der finanzielle Aufwand vervielfacht sich dadurch und lohnt sich vermutlich erst, wenn die erste Garnitur Mäntel abgefahren wurde.

Anmerken möchte ich überdies, dass die Bereifung offensichtlich stark variiert. Beim letzten Besuch eines Scott-Händlers musste ich nämlich feststellen, dass alle derzeit angebotenen Scott Speedster Gravel 30 mit Schwalbes G-One Allround in 35mm Breite ausgestellt waren – und sich damit deutlich vom hier getesteten Rad unterscheiden.



Größenvergleich: Abschließend möchte ich mich jener Thematik widmen, die vielleicht am meisten Interesse hervorruft: dem (er)fahrbaren Größenunterschied. Wie eingangs bereits angemerkt, besitze ich beide Modelle nämlich nicht in derselben Größe. Während das Scott Speedster Gravel 20 von mir in Größe Medium gefahren wird, benötigt meine Freundin beim Scott Speedster Gravel 30 die Größe Small. Dieser Umstand ermöglicht mir jedoch, beide Größen ausgiebig zu testen und meine Eindrücke mit euch zu teilen.

Zur Verdeutlichung des Bildmaterials möchte ich kurz noch die wesentlichsten Maße angeben:

Größe: 176cm
Innenbeinlänge: 86cm
Sattelhöhe: 76cm



Der Ersteindruck ist vermutlich am stärksten vom Gewicht geprägt: Das Speedster Gravel 30 wiegt (wie abgebildet) ca. 10,4kg während das Speedster Gravel 20 (wie abgebildet) ca. 11kg auf die Waage bringt. Beide Modelle gehören damit definitiv nicht zu den Leichtgewichten – dennoch lässt sich das Rad in Größe S deutlich schwungvoller bewegen. Generell wirkt es (wenig überraschend) wesentlich flinker und agiler. Im Wiegetritt lässt sich das Rad spielerisch hin- und herzirkeln. Der größere Drop (Höhenunterschied von Satteloberkante zu Lenkeroberkante) macht sich hierbei positiv bemerkbar – im Gegensatz zur Vorbaulänge.



Folgende Fotos sollen die Unterschiede deutlich machen: Wer mit meiner Körpergröße zum Scott Speedster Gravel in Größe Small greift, findet sich unausweichlich in einer sehr „gestauchten“ Haltung wieder. Der Winkel zwischen Armen und Rücken läuft dann ausgesprochen spitz zu (siehe: 1. Bild, schwarzes Rad), während Rahmengröße Medium einen Winkel von ca. 90° ermöglicht und sich somit „natürlicher“ anfühlt (siehe: 2. Bild, grünes Rad). Abhängig ist dieser Winkel aber nicht nur von der Rahmengröße. Bein-, Rumpf- sowie Armlänge spielen dabei eine ebenso große Rolle.



Im direkten Vergleich muss ich feststellen, dass mir beide Rahmengrößen (im Auslieferungszustand) nicht vollumfänglich zusagen. Während ich mich auf dem Rad in Größe M häufig in einer sehr gestreckten Position wiederfinde, hinterlässt Größe S stets einen komprimierten Körperhaltungseindruck. Beides ist nicht ideal und muss definitiv noch angepasst werden. Anbei möchte ich nochmals beide Rahmengrößen mit einer eingestellten Sattelhöhe von 76cm zeigen. Das 1.Bild zeigt dabei das Scott Speedster Gravel 30 in Größe Small, wohingegen das 2.Bild das Scott Speedster Gravel 20 in Größe Medium zeigt. Anmerkung: beim Scott Speedster Gravel 20 wurde bereits ein Spacer (=1cm) entfernt und somit die Vorbauhöhe reduziert.



Beide Bilder sollen die Geometrieunterschiede nochmals verdeutlichen und Vergleiche ermöglichen (z.B. Auszug der Sattelstütze, Drop, etc.). Generell bleibt mir damit vermutlich nicht mehr viel zu sagen und verweise nochmals auf das Fazit des vorangegangenen Testberichts. In jedem Fall hoffe ich, euch ein bisschen mit diesen Eindrücken weitergeholfen zu haben und stehe für Anmerkungen/Fragen in den Kommentaren gerne zur Verfügung. Abschließend wünsche ich euch einen wundervollen Tag und bis zum nächsten Mal – hier auf: lauchsalat.com



Autor: Lukas

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5 Kommentare zu „Scott Speedster Gravel 30 – Test

  1. Vielen Dank für den sehr aufschlussreichen und toll bebilderten Vergleich zwischen den beiden Modellen und Größen. Es ist interessant zu erfahren, dass scheinbar die Händler Modifikationen vornehmen, die von der Herstellerwebsite abweichen (Anzahl Zähne, Reifenbreite). Da muss ich also beim Kauf detailierter im Fachgeschäft prüfen und mich nicht darauf verlassen.
    Für mich habe ich nun festgestellt, dass ich doch eher in Richtung Größe M bei 1,77m Körpergröße gehen werde, wegen Deinem Hinweis zur Stauchung bei Größe S in Deinem Bericht und auf den Bildern. Hätte man Deiner Meinung nach noch etwas an dem Sattel optimieren können? Ich habe auf den Fotos gesehen, dass die Sattel auf beiden Rädern sehr weit nach nach vorne geschoben sind. Vielleicht hätte man die Stauchung beim Modell S etwas aufheben können, wenn man den Sattel mehr nach hinten geschoben hätte. Wie schätzt Du das ein, hätten die 2 cm noch etwas rausgeholt?

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    1. Hey Swen, erneut vielen lieben Dank für den Kommentar und ja, man hätte am Sattel durchaus noch etwas optimieren können. Beide Sättel sind im Moment weit nach vorne geschoben und könnten mit Sicherheit noch 1,5 – 2,0 cm zurückgeschoben werden.

      Ob sich damit die empfundene Stauchung aufhebt, ist schwer zu sagen – v.a. weil es auch ein bisschen von der jeweiligen Sattelform und -konstruktion abhängt. Generell habe ich das Gefühl, dass beide Größen (noch) nicht ideal zu mir passen. Ein bisschen werde ich also noch herumschrauben und herumfeilen müssen und um ehrlich zu sein: an vieles gewöhnt man sich.

      So wie ich mich kenne, fallen mir viele Dinge in einigen Wochen nicht mehr auf und dann passt sowieso wieder alles 😉

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  2. Hallo Lukas. 🙂

    Auch von mir vielen Dank für deine ausführlichen und unterhaltsamen Test- bzw. Erfahrungsberichte. Ich hatte mich nach einer ausgiebigen Probefahrt im örtlichen Radshop bereits für das Gravel 20 entschieden. Erst danach bin ich auf deine Seite gestoßen und dein Vergleich vom Gravel 20 mit dem 30 hat mich dazu bewegt, mir doch lieber den „kleinen Bruder“ anzuschaffen. Zugegeben, Hauptausschlag war zunächst das matte Schwarz, statt dem matten Oliv/Grün. Deine positive Meinung zum Thema GRX400 statt GRX600 hat mich dann vollends überzeugt. Glücklicherweise gibts im Shop auch das Gravel 30 auf Lager, so dass ich fix umswitchen konnte.

    Also Danke nochmals. Du hast mir sehr weitergeholfen. Alles Gute dir und allzeit gute Fahrt!

    Liebe Grüße aus Dresden.

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    1. Hallo Tom,

      auch dir vielen herzlichen Dank für deinen überaus netten Kommentar ☺️

      Es freut mich sehr, dass dir der Beitrag ein klein wenig geholfen hat – und zugegebenermaßen würde ich es heute ähnlich handhaben 😉

      Die Schaltgruppenunterschiede sind (aus meiner Sicht) vernachlässigbar und
      das Rad sieht in matt-schwarz einfach um ein vielfaches besser aus 😎

      Damit: Glückwunsch zum Kauf, viel Freude damit und hab einen wundervollen Start in die Woche 🙃

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