KönigInnen von Mallorca

Rund 300.000 Rennradfahrer aus aller Welt (oder sagen wir Deutschland) und sieben österreichische Läuche können nicht irren: Mallorca ist ein absoluter Hotspot, wenn es um den kultivierten Masochismus auf zwei Rädern geht. Bewiesen wurde dies jüngst beim österlichen Trainingslager des Team Lauchsalat auf der größten Baleareninsel, das eine ausgewogene Mischung aus Kilo- und Höhenmetern, Sonne und Wind sowie Essen und Schlafen mit sich brachte.


Gotischer Start, belgische Fahrt

Die kunstsinnigen Mitglieder des Teams ließen sich freilich vor ihrem eigenen Start in das Trainingsgeschehen die kulturellen Highlights der Hauptstadt Palma im Süden der Insel nicht entgehen.

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Unser Aufenthalt startet mit einer Sightseeing-Tour quer durch Palma.

Ein perfekt geplanter Spaziergang wird mehr oder weniger perfekt befolgt, die gotische Kathedrale eingehend fotografiert und analysiert, ehe wir in den Norden nach Can Picafort aufbrechen. Bereits die ersten Kilometer von Palma ins Landesinnere lassen keinen Zweifel: Hier bestimmen die Rennradler den Verkehr. Gruppen von zwanzig, dreißig Leuten, die im schönsten belgischen Kreisel – oder dem, was sie dafür halten – die Landstraßen für sich in Beschlag nehmen, sind hier keine Seltenheit.

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Die Catedral de Mallorca ist definitiv einen Besuch wert.

Insbesondere auf den engen Bergstraßen, die auch wir in den nächsten Tagen noch ausgiebig erkunden werden, strapazieren sie die Geduld der Lenker ebenso zahlreicher Mietautos. Zum Glück kommen wir als Rad-, nicht als Autofahrer (auch wenn an dieser Stelle schon einmal ein großer Dank an unseren treuen Peugeot ausgesprochen werden darf).


Schöne Straßen, dicke Schweine, kaltes Wasser

Gut bestückt mit Mieträdern von Huerzeler, dessen Shops und Leihstationen auf der Insel omnipräsent sind, brechen wir auf. Der klugen Voraussicht eines namentlich unerwähnt bleibenden Teammitgliedes ist der Kauf einer Mallorca-Radkarte zu verdanken, die nicht nur die vorabendliche Tourenplanung zur basisdemokratischen Diskussionsveranstaltung werden lässt, sondern auch tagsüber so manche Irrfahrt verhindert (oder abkürzt).

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Das Ausleihen der Räder klappt problemlos. Dank gilt an dieser Stelle dem ausgezeichneten Huerzeler-Team.

Letztlich ist aber festzuhalten: Egal in welche Richtung es losgeht, eine Fahrt auf Mallorca wird nie bereut. Ob der Leuchtturm bei Cala Ratjada oder die Ermita de Betlem bei Artá, ob Cap Formentor oder Sa Calobra, ob Windmühlen oder dicke Schweine im Flachland – die Vielfalt der Strecken nimmt in keine Himmelsrichtung ab, nur nach Norden wird unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt (ausführliche Streckenbeschreibungen folgen in den nächsten Tagen). Das etwa dreizehn Grad kalte Meer war selbst den härtesten unserer Teammitglieder zu hart, Regenerationsbäder wurden in den, kaum spürbar wärmeren, hauseigenen Pool verlegt.

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Jeden Abend findet die obligatorische Teambesprechung statt. Geklärt werden die Fixpunkte des kommenden Tages. Als Flipchart-Ersatz dient die riesige Terrassentür.

Dafür wurden die Ausfahrten umso ausgedehnter gestaltet und bevorzugt um kulinarische Erkundungen erweitert. Angetan zeigten sich die Lauche insbesondere von Sa Ruta Verda, einem kleinen Café im Weltkulturerbe Caimari, direkt am Fuße des Anstiegs zum Col de sa Batalla. Hausgemachte Bagels und Kuchen sind hier ebenso zu empfehlen wie ein kurzer Blick in den lokaleigenen Shop, der vor allem die Gelüste von Rennrad-Nostalgikern befriedigt.


Kilos und Kilometer

Kulinarisch war freilich die hauseigene Küche unserer wohltemperierten Villa in Can Picafort durch nichts zu toppen. Der morgendliche Start mit Ham and Eggs und Porridge bedeutete gleich einmal einen beträchtlichen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz auf den Straßen, der Kampf um den Kühlschrank wurde nach der Heimkehr von den Ausfahrten noch härter ausgefochten als der um die Duschen.

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Egal, ob Cap de Formentor…
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…Sa Calobra oder…
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…Soller – Die Insel bietet unermesslich viele Highlights. Nach zwei Wochen ist uns klar, Mallorca ist zurecht das Mekka aller Rennradfahrer!

Bei den abendlichen Koch-Happenings geriet die Küche mit ihrer hervorragenden Ausstattung an Pfannen (ohne Deckel), wiederholt an ihre Grenzen – ebenso die Aufnahmefähigkeit der Lauchmägen. Gedankt sei Mercadona du Eroski, die auch an den Osterfeiertagen dafür sorgten, dass uns die Erdäpfel und der Senf nicht ausgingen.


Der Osterhase und die Post

Denn ja, es war Ostern. Und der Osterhase war uns – wie wir am Sonntag mit Erstaunen feststellten – bis auf die Insel gefolgt. Was das Versteck für seine Geschenke betrifft hatte er zwar die detektivische Kompetenz des Teams etwas überschätzt, aber am Ende wurde auch diese Hürde gestemmt – ebenso wie alle Erkältungen, Sonnenbrände, schmerzenden Gesäße, Knie und sonstige Unpässlichkeiten mit Bravour überwunden wurden. Denn – ganz gemäß dem Motto unseres auf allen Ebenen gelungenen Camps: „Ob wirklich die Post abgeht, seht ihr wenn das Licht ausgeht!“


© Michael

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