Windjacke gefällig? – Pearl Izumi Elite Barrier Convertible Jacket im Test

Man glaubt es kaum, aber es soll Radfahrer geben, die sich über massig Gegenwind freuen. Sie nennen ihn liebevoll ihren „natürlichen Trainingspartner“. Das klassische (=äußerst sensible) Mitglied im Team Lauchsalat gehört mit Sicherheit nicht zu dieser Sorte Mensch. Aus diesem Grund ist es wichtig, unsere Mitglieder gegen äußere Umwelteinflüsse zu schützen. Mit der Elite Barrier Convertible Jacke° von Pearl Izumi versuchen wir, eben dies zu tun.


John Ponchovi on Tour

Im Sommer kann eine kühle Brise ganz erfrischend sein, außer: man erwischt genau die drei kältesten Tage des Sommers. So, wie wir bei unserer Tour durch Österreich. Ein Plastiksack musste damals als (Regen-)Poncho dienen, um Wind und Wetter abzuhalten. Aufgrund meines gewöhnungsbedürftigen Auftretens wurde mir der liebevolle Kosename „Jon Ponchovi“ zuteil.

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Um weitere Kosenamen dieses Kreativitätsniveaus zu vermeiden, entschied ich mich, in neue Ausrüstung zu investieren. Abgesehen von Handschuhen, Überschuhen und langer Radhose, stand eine Windjacke ganz oben auf meiner Liste – die Elite Barrier Convertible Jacket von Pearl Izumi.


Erstkontakt

Trotz acht verschiedener Farbvarianten entschied ich mich für das klassische Schwarz. Aus Sicherheitsgründen, ist die Rückentasche farblich abgesetzt. Zusätzlich zur geräumigen Rückentasche gibt es noch zwei kleine Taschen an der Vorderseite der Jacke. Wie sooft, besteht die komplette Jacke aus 100% Polyester. Dadurch ist sie wenigstens schön leicht und hält bei leichtem Regen trocken.

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Sturmwarnung in Österreich – Windgeschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse eigneten sich perfekt für unser Fotoshooting.

Wer bis jetzt aufmerksam mitgelesen hat, hat vielleicht festgestellt, dass es sich um ein „Convertible“ handelt. Das bedeutet, dass die Jacke mit wenigen Handgriffen zur Weste umfunktioniert werden kann. Während der Umbau zum Gilet noch in Sekundenschnelle funktioniert, dauert das erneute Anbringen der Ärmel ca. 1,5 Minuten. Weste und Ärmel sind mittels einer Kombination aus Reißverschlüssen (an der Vorderseite) und Klettverschlüssen (an der Rückseite) miteinander verbunden.

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Reißverschlüsse vorne, Klettverschlüsse hinten – so lassen sich die Ärmel kinderleicht abnehmen. Dazu muss die Jacke nicht extra ausgezogen werden.

Aufgabe der Jacke ist es, den Wind abzublocken. Dies geschieht mithilfe eines (quasi) luftdichten Außenmaterials. Um einen Hitzestau im Inneren der Jacke zu vermeiden, gibt es sogenannte „Direct-Vent Panels“. Eine Innenwindleiste im Bereich des Reißverschlusses verhindert das Eindringen kalter Luft. Ein luftdichter Abschluss nach unten soll mittels einer elastischen Zugkordel (entlang der Taille) hergestellt werden. Jetzt haben wir das offizielle Datenblatt abgearbeitet. Wie schlägt sich die Jacke/Weste in der Praxis?


Praxistest

Aufgrund des verwendeten Materials gleitet man förmlich in die Jacke. Sie engt nicht ein und fühlt sich im ersten Moment toll an. Die ersten Meter auf dem Rad zeigen aber bereits die erste Schwachstelle: die Ärmel sind sehr weit geschnitten. Sie flattern im Wind. Der Rest der Jacke sitzt relativ eng am Körper.

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Flatternde Ärmel machen sich beim Fahren teilweise unangenehm bemerkbar. Der Rest der Jacke liegt relativ eng an.

Bestellt wurde die Jacke mithilfe der Größentabelle des Herstellers. Dies hat (zumindest bei mir) wunderbar funktioniert. Die Jacke schließt sowohl um den Hals als auch entlang der Hüfte hervorragend ab. Der Ärmelabschluss erfolgt mittels Gummibund, wodurch auch dort keine Zugluft eindringen kann. Leider würde ich mir manchmal ein wenig Zugluft wünschen, denn die Ventilation funktioniert nicht völlig einwandfrei. Erst wenn man die Jacke zur Weste „umwandelt“, erfüllt der Mesh-Einsatz am Rücken seine Funktion und man kann ungehindert ausschwitzen. Ansonsten wird dieser Einsatz vom darüberliegenden Außenmaterial verdeckt.

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Das luftdurchlässige Material wird von einer Lage Polyester überdeckt. Dadurch hält die Jacke zwar leichten Regen ab, verhindert aber zeitgleich uneingeschränktes Ausschwitzen. Man kann eben nicht alles haben.

Stauraum bietet die Jacke genug. Ungeachtet der beiden Fronttaschen, finden in der Rückentasche die abgezippten Ärmel, Handschuhe, Haube, Müsliriegel, Handy, Schlüssel, eine kleine Fahrradpumpe und noch vieles mehr Platz. Für meinen Geschmack bietet diese Tasche schon zuviel Platz. Da die Tasche nicht unterteilt ist, neigt der gesamte Inhalt zum Umherrutschen. So kann es zu spürbaren Positionsveränderungen des Handys kommen, wenn man im Wiegetritt unterwegs ist. Mich persönlich irritiert soetwas immer ein wenig. Abhilfe schaffen die kleineren Taschen meines Fahrradtrikots, welches unter der Jacke getragen wird.


Fazit

Der weite Schnitt der Ärmel, die große Rückentasche und die unzureichend regulierbare Ventilation lassen diese Jacke an einem makellosen Endergebnis vorbeischrammen. Wie sooft, zeigt sich anhand des Verkaufspreises, auf welchem Qualitätsniveau sich das Produkt befindet. Mit ca. 100€ liegt man definitv im mittleren Preissegment° und das spürt man auch. Mittlerweile kann ich mich mit einigen dieser Mängel arrangieren. Für mich hat sich nämlich herausgestellt, dass ich die Jacke selten als Jacke nutze, sondern meistens nur als Weste. Und schon haben sich meine Probleme mit den weiten Ärmeln und dem Hitzestau in Luft aufgelöst 😉

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Nimmt man die Ärmel ab, kann man schön über das luftdurchlässige Material (zwischen den Schultern) „ausdünsten“. Der Wind wird (abgesehen von den Armen) trotzdem abgehalten und man friert nicht aus.

Mir ist natürlich bewusst, dass so kein überragendes Fazit aussieht. Allerdings ist es mir nur durch die Vielseitigkeit des Produkts möglich, auf etwaige Konstruktionsschwächen zu reagieren. Könnte ich die Jacke nur als Jacke verwenden, würde ich von einem Kauf eher abraten. Dadurch, dass ich die Jacke je nach Belieben zur Weste umwandeln kann, erhält sie von mir einen klaren Kauftipp für alle, die nicht Unmengen an Geld ausgeben möchten.

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Trotz eines durchwachsenen Fazits, kann getrost zum Kauf geraten werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top!

Plus

Nicht alle Testberichte decken sich mit meinen Ergebnissen. Ventilationsprobleme haben viele andere Tester nicht. Auch die Passform dürfte Vielen zusagen. Durchwegs wird aber das gute Preisleistungsverhältnis der Jacke gelobt. Hier überschneiden sich unsere Ergebnisse dann eindeutig!

Zum Vergleich zwei weitere Testberichte (leider nur in Englisch):

Information: Die gezeigten Produkte wurden regulär erworben. Der hier dargestellte Inhalt gibt lediglich meine ganz persönliche Meinung wider.


© Lukas

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