Nordalpenweek – Anders als erwartet…

Haben wir es geschafft?

Nein, haben wir definitiv nicht!
War unser Plan zu ambitioniert oder wir zu wenig?
Vielleicht ein wenig von beidem, aber Fakt ist, dass rein gar nichts so funktioniert hat, wie wir uns das zuhause im Wohnzimmer ausgemalt hatten.
Falls du trotzdem wissen möchtest, wie es uns am Weg vom Schneeberg nach Wien ergangen ist, dann nimm dir ein paar Augenblicke Zeit und lies weiter!
Eine wertvolle und v.a. lehrreiche Erfahrung war dieses Projekt auf jeden Fall 😉

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Was darfst du dir in den kommenden Tagen erwarten?

Wir lassen in der kommenden Woche anhand von „Tagebucheinträgen“ sowohl die Projektplanung als auch die Projektausführung Revue passieren. Hierbei wird der jeweilige Projektabschnitt (Planung + Ausführung) immer aus zwei Perspektiven betrachtet. Du erhältst dadurch Ideen für deine Projekte und erfährst viele wissenswerte Dinge, die du lieber unterlassen solltest 😉
In der übernächsten Woche möchten wir dann auf einige unserer Ausrüstungsgegenstände genauer eingehen. So eine kleine Trekkingtour darf definitiv als ideales Umfeld für Produkttests angesehen werden. Im Test befanden sich:

Deuter Exosphere -4
Salewa Fusion -8 Hybrid
Alpina Eye-5 Tour

Jetzt möchtest du sicher endlich wissen, was passiert ist.
Lass uns deshalb die Zeit ein wenig zurückdrehen und durchlebe mit uns zwei äußerst spannende Tage!

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Der frühe Vogel fängt den Wurm!

Wir gehören anscheinend eher in die Kategorie der Würmer. Immerhin haben wir bereits den ersten Zug nach Payerbach-Reichenau um 2 Minuten verpasst. Zu unserem Glück gab es einen Zug, der den bereits verpassten Zug einholte. So konnten wir entspannt in Wr. Neustadt umsteigen und erreichten unser Ziel noch zur rechten Zeit.

In Payerbach-Reichenau wurden wir von tief hängenden Wolken und leichtem Nieselregen begrüßt. Laut Wetterbericht sollte es aber im Verlauf des Tages besser werden (soviel sei vorweggenommen: das wurde es nicht). Der Einstieg in die Route war dank GPS-Navigation schnell gefunden und schon konnte es losgehen.
Mit langsamen Schritt (immerhin mussten wir noch mind. 12 Stunden an diesem Tag gehen) gings zu unserem ersten Ziel, dem Krummbachstein.


Das Wetter könnte besser sein

Auf den ersten paar Kilometern konnte teilweise noch die Sonne durch die Wolkendecke blinzeln, allerdings immer nur für wenige Minuten. Für uns war das mehr als ausreichend, wir waren uns sicher, dass das Wetter besser werden würde!
Als sich das Wetter nach einer Stunde merklich verschlechtert hat, konnte uns das trotzdem nicht umstimmen. Trotz heftiger Stürme, Schnee ab 1100Hm und extrem tief hängenden Wolken, setzten wir unseren Weg fort.

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Am Krumbachstein angekommen, konnten wir den direkt gegenüberliegenden Schneeberg nicht sehen. Mit jedem Meter den wir an Höhe gewannen, verloren wir einen Meter an Sichtweite. Kombiniert mit der Tatsache, dass viele Wegmarkierungen durch die Schneedecke unentdeckt bleiben sollten, wurden einige Teilstrecken zur echten Geduldsprobe. Mithilfe unserer GPS-Uhr konnten wir uns bis zum Emmysteig durcharbeiten.

Dieser Steig war einer der Höhepunkte dieser Tour. Leichte Kraxeleien mit knapp 15kg am Rücken, 30cm Schnee und das alles kombiniert mit Windstärken, dass es Einen umhaut! Um nicht den Eindruck von jugendlicher Leichtfertigkeit zu erwecken, sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass wir uns in keinem Moment unsicher gefühlt haben. Die Risiken wurden stets im Vorfeld gründlich abgewogen.


Jetzt wird es nochmal spannend

Den Steig hatten wir nun endlich hinter uns gelassen, in der Hoffnung, dass es jetzt etwas besser werden würde. Wer den Schneeberg allerdings kennt, der weiß, dass es jetzt erst richtig losgeht.
Vom Damböckhaus zur Fischerhütte sind es bei schönem Wetter ca. 25 Minuten Gehzeit – wir waren mindestens eine Stunde unterwegs! Mit gefühlten 100km/h Gegenwind ging es Schritt für Schritt der Hütte entgegen. An dieser Stelle muss wohl erwähnt werden, dass wir extremes Glück hatten, dass wir sprichwörtlich an die Hütte angelaufen sind. Wäre sie nämlich 30 Meter neben dem Weg gestanden hätten wir sie nicht mehr gesehen. Die Orientierung oben am Plateau erfolgt mittels Holzpflöcken, die entlang des Weges in ca. 30-Meter-Abständen gesetzt wurden. Hin und wieder kommt es vor, dass einer dieser Pflöcke fehlt, dann muss man sich vorsichtig in eine Richtung vortasten, bis man wieder einen Pflock sieht. Ich glaube ich kann für uns beide sprechen, wenn ich sage, dass wir wohl noch nie in einer derart trostlosen Umgebung waren.

Um 15:00 Uhr erreichten wir endlich die Fischerhütte. Im Vorraum der Hütte kann man, in den Monaten in denen die Hütte nicht besetzt ist, Unterschlupf suchen. Das war auch dringend notwendig. Von der Kälte waren, trotz Handschuhen, unsere Finger blau. Mittels Gaskocher konnten wir uns zumindest heißes Wasser zubereiten.

Spätestens in der Hütte wurde uns vollends bewusst, dass hier unser Projekt bereits gescheitert war. Wir hinkten dem Zeitplan bereits um Stunden hinterher.


 Wohlverdiente Nachtruhe

Der Abstieg fand zwar komplett im Nebel statt, Fußspuren leiteten uns jedoch sicher bis ins Tal. Um 17:00 Uhr erreichten wir schlussendlich die Edelweißhütte. Das bedeutete, dass wir den Schneeberg nun endlich hinter uns gelassen haben.
Wir entschlossen uns, noch einige Kilometer zu gehen, damit wir zumindest die Chance auf einen erfolgreichen Projektabschluss noch wahren konnten.
Mehrere Gründe brachten uns dann um 19:00 Uhr zum Stillstand. Zum Einen waren wir doch schon etwas müde und zum Anderen konnten wir anhand des Kartenmaterials erkennen, dass sich entlang der nächsten Kilometer keine geeigneten Stellen für den Zeltaufbau befinden würden. Daher wurde der Entschluss gefasst, bei Kilometer 20 das Nachtquartier zu errichten.

Mit trockener Kleidung gings dann sofort rein in die Schlafsäcke und schon waren wir rundum zufrieden. Wir entschlossen uns sogar, auf ein warmes Abendessen zu verzichten und genossen anstattdessen unsere Gummibärli.


Der Tag danach

Wir hatten ideale Bedingungen zum Schlafen. Der Untergrund war schön weich, die Nacht war schön ruhig und unsere Schlafsäcke hielten uns beeindruckend warm. Wir wollten beide das Zelt eigentlich gar nicht verlassen, aber um 06:30 Uhr läutete unser Wecker. Nach einem bescheidenen Frühstück gings dann um 07:30 Uhr los.

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Um unsere Essens- und Wasservorräte aufzufüllen, machten wir um 09:00 kurz im Öhlerschutzhaus Halt. Wir hatten hier noch ca. 70 Kilometer vor uns. Selbst bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von ca. 7 km/h hätten wir also noch mindestens zehn Stunden Gehzeit vor uns gehabt. Natürlich weiß jeder, dass man mit über 10kg Gepäck nicht mal annähernd an die 7 km/h herankommt. Das bedeutet, dass unser Tag noch wesentlich länger dauern würde. Aber wie sooft: Unverhofft kommt oft!


Knieschmerzen besiegeln unsere Entscheidung

Der Schmerz in Benjamins Knie hatte sich bereits in der Nacht angekündigt. Anscheinend hat er sich bei der Überschreitung des Schneebergs ein Band oder eine Sehne überdehnt. Nachdem wir bereits 10 Kilometer am zweiten Tag hinter uns hatten, wurden die Schmerzen v.a. beim Bergabgehen richtig schlimm. Leider hatten wir doch noch einige Höhenmeter im Abstieg vor uns (nachdem wir am Tag davor über 2300Hm nur bergauf gelaufen waren).

Ein kurzer Blick auf die Karte genügte, um festzustellen, dass der nächste Ausstiegspunkt aus der Route ca. 10km entfernt lag. Vom Bahnhof Miesenbach war es möglich, wieder mit dem Zug zurück nach Wien zu gelangen. Da das Projektziel aufgrund des langsamen Fortbewegungstempos sowieso in weite Ferne gerückt ist, entschlossen wir uns an dem oben genannten Punkt aus der Route auszusteigen und den Heimweg anzutreten.

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Alles in allem haben wir ca. 40km der vorgenommenen Route geschafft, wobei wir durch das Herumirren im Nebel, die Wahl einer sichereren aber längeren Abstiegsvariante und andere Navigationsfehler sicherlich über 50km zurückgelegt haben. Weiters haben wir bergauf ca. 2300Hm (am 1.Tag) und 500Hm (am 2.Tag) zurückgelegt. Man sieht also, dass wir unser Ziel doch deutlich verfehlt haben.


Was bleibt, ist die Erfahrung

Unser Scheitern kann wohl kaum an einem einzigen Grund festgemacht werden. Verschiedene Faktoren haben zum frühzeitigen Abbruch unseres Projektes geführt.

Wie bereits erwähnt war das Ziel evt. etwas zu hoch gesteckt. Obwohl uns die Schwierigkeit des Projekts durchaus bewusst war, hätte uns bei rein logischer Betrachtung klarwerden müssen, dass dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist.

Durch das schlechte Wetter in der Woche vor dem Projekt lag die Schneefallgrenze 2 Tage vor unserem Projektstart noch bei 700Hm. Die Neuschneemengen erschwerten den Aufstieg massiv. Man konnte dadurch teilweise keine Markierungen oder Wegverläufe ausmachen. Außerdem sind wir des Öfteren bis zur Hüfte im Schnee stecken geblieben (v.a. in den Latschenfeldern).

Windböen, bei denen du dich nur noch mithilfe der Wanderstöcke aufrecht halten konntest, verbesserten die Situation auch nicht. V.a. ermöglichte unser voluminöses Gepäck dem Wind eine tolle Angriffsfläche.

Und Sichteinschränkungen im höchsten Ausmaß zerstörten dann den letzten Rest Hoffnung. Wir konnten zeitweise nur erahnen wo sich der Gipfel des Schneebergs befinden sollte, weil der komplette obere Teil des Berges in wirklich dichtem Nebel eingehüllt war.

Wir würden bei einem erneuten Versuch wahrscheinlich viele Dinge anders anpacken. Was genau, das erfährst du im Verlauf der Woche.
Fürs Erste bleibt nur zu sagen, dass wir trotz, oder vielleicht gerade aufgrund unseres kläglichen Scheiterns, massiv an Erfahrung gewonnen haben.
Außerdem lernt man nach solch anstrengenden Tagen wieder die kleinen Dinge im Leben mehr zu schätzen, wovon dein gesamtes Umfeld zuhause profitieren kann.

Falls auch du bereits ähnliche Erfahrungen gemacht hast, lass uns daran teilhaben und kommentiere diesen Beitrag. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, aber vielleicht findet sich ja jemand, der beim nächsten Projekt von uns dabeisein möchte! Dann melde dich einfach hier!

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© Lukas

7 Kommentare zu „Nordalpenweek – Anders als erwartet…

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